A U F  D E M  S C H A U I N S L A N D

Seit einigen Jahren führen wir im Herbst mit dem Forstamt Freiburg Landschaftspflegetage auf dem Schauinsland durch.
Dabei geht es neben der Instandhaltung der Wege und Abschrankungen vor allem um die Erhaltung der charakteristischen „halboffenen Weidelandschaft“ am Schauinslandgipfel.

Offene Weiden am Schauinsland

Das Wetter sah nicht gerade einladend aus, als sich ein gutes Dutzend Naturfreunde am 1. Oktober auf dem Schauinsland-Gipfel zu einer Pflegeaktion trafen. Karl Niegisch, der Vorsitzende der Ortsgruppe Freiburg, hatte zusammen mit Revierförster Schell eingeladen. Früher weidete Vieh auf dem Gipfel-Weidfeld, doch ist die Beweidung schon lange Zeit aufgegeben worden. Es war nun die Aufgabe der Gruppe, die langsam zuwachsenden Freiflächen wieder mehr zu öffnen. Sie machte sich mit Astscheren und Sägen daran, die alten, ehrwürdigen Weidbuchen vom aufstrebenden Jungwuchs zu befreien, um den Flächen den Charakter einer ansprechenden, „halboffenen Weidelandschaft“ zu verleihen. Dabei machte die Säge auch nicht Halt vor größeren Bäumen, wenn sie die knorrigen Weidbuchen, für die der Schauinsland-Gipfel bekannt ist, zu arg bedrängten. So fiel Baum um Baum, das anfallende Holz wurde zu Haufen zusammengetragen, das Geäst in den Wald gezogen. Zum Nachmittag stürmten dann dunkle Wolken heran und hüllten den Gipfel in Nebel. Als es zu regnen begann, beendeten die fleißigen Naturfreunde ihre Arbeit und bekamen ein wohlverdientes Vesper in der nahen Gastwirtschaft.
(Peter Lutz in Der Schwarzwald 2/2006)

Auf dem Schauinsland – was ist los da oben?
Der Schauinsland vor den Toren Freiburgs gehört zu den höchsten Schwarzwaldgipfeln im Hochschwarzwald. Er ist aufgrund seiner herrlichen Aussicht und seiner einmaligen und abwechslungsreichen Landschaft ein Berg mit hoher Anziehungskraft für Besucher. Insbesondere der Gipfelbereich mit seinen waldfreien Hochflächen, bizarren Wetter- und Weidbuchen, gewachsenen Felsbildungen und naturnahen Bergwäldern ist landschaftlich besonders attraktiv und gleichzeitig besonders sensibel.
Der Schauinsland ist Lebensraum vieler gefährdeter und seltener Tier- und Pflanzenarten. In den Magerrasen im Gipfelbereich kommen aufgrund des sehr rauen Klimas hochmontane Arten wie Gold-Fingerkraut, Scheuchzers Glockenblume, Weißzüngel und Schweizer Löwenzahn vor. An den wärmebegünstigten Südhängen sind noch großflächige Flügelginsterweiden erhalten, wie sie für den Südschwarzwald prägend sind. Auf diesen Magerweiden, die oft von Zwergsträuchern wie Heidekraut und Heidelbeere durchsetzt sind, sind in Abhängigkeit von der Nutzungsintensität Pflanzenarten wie Arnika, Borstgras und Silberdistel anzutreffen. Dieses strukturreiche offene Gelände ist der Lebensraum von Zitronengirlitz, Dorngrasmücke, Wiesenpieper und Neuntöter.
Allgemein haben die freien Kammbereiche mit den einzelstehenden Bäumen eine hohe Bedeutung für die Vogelwelt. Im Herbst wird der Schauinsland von Scharen von Vögeln auf ihrem Weg in die südlichen Überwinterungsgebiete überflogen.
Montane Mischwälder aus Buchen, Tannen und Fichten erstrecken sich über die oft blocküberschütteten Hänge des Schauinslands. Als Besonderheit gilt der hochstaudenreiche Bergahorn-Buchenwald, der auf geschützten Hängen der höchsten Lagen noch auftritt. Alpen-Milchlattich, Grauer Alpendost, Hain-Greiskraut und Wald-Geißbart bilden eine auffällige Hochstaudenflora.
Auf der großflächigen Gemeindeweide oberhalb von Hofsgrund hat sich im steilen, von Bergwerkshalden durchzogenen Gelände ein bemerkenswerter Buchenwald entwickelt. Breitkronige Bäume im Inneren des Waldes lassen erkennen, dass er durch Zusammenwachsen ehemaliger Weideschachen entstanden ist. Knorrige Äste und Stämme belegen, dass die alten Bäume früher zur Laubfütterung geschnitten (geschneitelt) wurden.
Das heutige Mosaik von Wald und Offenland geht noch auf den mittelalterlichen Bergbau im Schauinsland zurück, der riesige Mengen an Holz verbrauchte und zur Rodung des Waldes im Einzugsbereich der Bergwerke führte. Die so frei gewordenen Flächen werden größtenteils bis heute noch landwirtschaftlich als Wiesen und Weiden genutzt und offen gehalten.

Der Schauinsland ist ein eindrucksvolles Zeugnis der eiszeitlichen und nacheiszeitlichen Landschaftsgeschichte im Hochschwarzwald und ein schönes Beispiel für die dort typische Kulturlandschaft. Um diese außergewöhnliche Berglandschaft zu erhalten hat man bereits 1939 den Gipfelbereich und die Höhenlage des Schauinslands als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Seit 1996 ist der gesamte Gipfelbereich des Schauinslands Naturschutzgebiet und er ist Teil des Europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000.
Der Schutz von Flora und Fauna geht natürlich mit Einschränkungen für die Besucher einher. So versucht man beispielsweise durch Abschrankungen der Wege im Gipfelbereich der weiteren Beeinträchtigung der Vegetation durch Tritt entgegenzuwirken. Informationstafeln und Beschilderungen sollten die Besucherlenkung verbessern und es wurde ein ehrenamtlicher Naturschutzdienst eingerichtet, der auf die Einhaltung der Schutzbestimmungen achtet.

Unsere Ortsgruppe ist mit folgenden Aktionen bei Natur- und Landschaftsschutzprojekten auf dem Schauinsland beteiligt.

  Landschaftspflegetage im Herbst
  Instandhaltung der Wege und Abschrankungen im Gipfelbereich
  Naturschutzdienst

Und wir können noch Verstärkung gebrauchen. Jeder der mitmachen möchte ist herzlich willkommen!

Literatur:

P. Lutz (1998): Schauinsland. In: Die Naturschutzgebiete im Regierungsbezirk Freiburg.
Hrsg. vom Regierungspräsidium Freiburg. Bearb. von der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Freiburg

Verordnung des Regierungspräsidiums Freiburg über das Natur- und Landschaftsschutzgebiet „Schauinsland“ vom 12. Dezember 2002

 

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